Inside Vivamos: Ricus Jacometti zu den ersten Projekten in Kenia
Ricus Jacometti hat als Projektleiter Ostafrika den Aufbau der neuen Projekte von Vivamos in Kenia begleitet. Er erklärt im Interview, was die Projekte ausmacht – und was ihn persönlich motiviert.
Ricus Jacometti hat tropische Landwirtschaft studiert und viele Jahre in verschiedenen Ländern Afrikas, Südostasiens und der Karibik gelebt. Als Projektleiter Ostafrika hat er die neuen Projekte von Vivamos in Kenia mitaufgebaut. Ein Einblick in den Hintergrund, die Herausforderungen vor Ort und das Potenzial der Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Ricus, was bezwecken die Projekte von Vivamos in Kenia?
Wir sind im Westen Kenias tätig, einer dicht besiedelten Region mit hoher Mangelernährung: Die landwirtschaftlichen Flächen sind klein, die Böden ausgelaugt und die Ernährung einseitig. Mit der Agrarökologie haben wir einen grossen Hebel, um besonders armutsbetroffene Gruppen dabei zu unterstützen, ihre Ernährung, ihr Einkommen und ihre ganze Lebenssituation zu verbessern.
Worauf habt ihr bei der Auswahl der lokalen Partnerorganisationen geachtet?
Alle unsere Partner bringen viel Erfahrung in Agrarökologie mit. Entscheidend ist für mich, wie nahe sie mit den Bauern und Bäuerinnen zusammenarbeiten: Unsere Arbeit hat dann Wirkung, wenn die Projektteilnehmenden sie mitgestalten. Deshalb ist auch unser Ansatz mit den Multiplikator*innen so partizipativ wie möglich: Die Bäuer*innen setzen neue Praktiken direkt auf ihren Feldern um und lernen in der Gruppe voneinander.
Welches sind die grössten Herausforderungen?
Neben ausgelaugten Böden und dem Klimawandel sind der Zugang zu Krediten und Saatgut grosse Hürden. Die nationale Landwirtschaftsstrategie ist auf Grossbetriebe ausgerichtet; Kleinbäuer*innen erhalten kaum Unterstützung. Zudem darf in Kenia nur zertifiziertes Saatgut verkauft werden – ein Vorteil für Saatgutfirmen. Wir fördern deshalb lokale Setzlingsschulen und unterstützen die Bäuer*innen darin, eigenes Saatgut aufzubereiten und untereinander zu tauschen.
Was motiviert dich für deine Arbeit?
Landwirtschaft ist meine Passion. Tropische Landwirtschaft zu studieren, war für mich der Weg, um international arbeiten zu können. Es motiviert mich, zusammen mit den Bäuerinnen und Bauern Wege zu finden, ihre Lebensumstände zu verbessern. Die Ansätze sind alle da. Unsere Aufgabe ist es, ihre Umsetzung zu ermöglichen. Zu sehen, wie die Bäuer*innen das Gelernte anwenden und ihr Leben verändern, ist unbezahlbar. Und das tun sie selbst, nicht wir.
Du hast in deiner Karriere in unzähligen Kontexten gearbeitet. Was ist für dich speziell bei Vivamos?
Bei Vivamos gehen wir von der lokalen Expertise aus und arbeiten mit unseren Partnerorganisationen auf Augenhöhe. Weil wir eine übersichtliche Organisation sind, können wir flexibel handeln und direkt und eng mit den Partnern zusammenarbeiten. Ich schätze die Dynamik und Eigeninitiative unserer Partner in Kenia. Ausserdem überzeugen mich die resultatorientierte Arbeitsweise und der wissenschaftliche Ansatz von Vivamos – und dass unsere Partner darin unterstützt werden, ihre Aktivitäten mit wissenschaftlichen Instrumenten zu messen und noch stärker auf Wirkung auszurichten. Das ist für alle Beteiligten wertvoll.
Dieses Interview ist in den Winter News 2025 erschienen ↓