20. November 2019

Winter News 2019: Der Klimawandel und die Kleinbauern in Lateinamerika

Wie Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Zentralamerika den Klimawandel erleben – und wie sie mit Unterstützung von Vivamos ihre Lebensgrundlagen sichern.

Mehr als 90% der weltweit rund 570 Millionen landwirtschaftlichen Betriebe werden von Kleinbauern betrieben. Diese Familien produzieren über 80 % der Nahrungsmittel, die die Weltbevölkerung konsumiert. Von ihnen hängt die globale Ernährungssicherheit ab, doch ausgerechnet sie leiden paradoxerweise am meisten unter Hunger.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Veraltete Anbaumethoden und fehlendes Wissen führen zur Übernutzung der natürlichen Ressourcen Wald, Wasser und Boden. Die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen die Situation zunehmend. So sinkt die Nahrungsmittelproduktion aufgrund extremer Ereignisse wie Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen. Dadurch steigen die Nahrungsmittelpreise und gefährden den Zugang der Menschen zu ihren Ernährungsgrundlagen.

In Lateinamerika sind die Folgen besonders drastisch. Zentralamerika zählt zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen der Welt. Allein in Nicaragua führen Naturereignisse regelmässig zu grossen Ernteverlusten. Im sogenannten «Corredor Seco» (Trockengürtel) leidet fast jedes dritte Kind unter fünf Jahren an chronischer Unterernährung.

Gleichzeitig kann das «El Niño Phänomen» sintflutartige Regenfälle auslösen, was zu Erdrutschen oder Überschwemmungen führt und ganze Gemeinschaften in ihrer Existenz bedroht. Während sich der Klimawandel in unseren Breitengraden vorwiegend in wärmeren und trockeneren Sommern manifestiert, sind die Auswirkungen in Lateinamerika also ungleich drastischer.

Die Krisenregion im Überblick

Landkarte Zentralamerika mit Beschreibung

 

Nachhaltige Antworten auf die Klimakrise

Vivamos arbeitet in mehreren Projektregionen mit Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zusammen, um ihre Lebensgrundlagen zu sichern und ihre Resilienz gegenüber den Folgen des Klimawandels zu stärken.

Honduras: Nebelwälder schützen, Wasser sichern

In La Masica im Norden von Honduras leben viele Familien von der Subsistenzlandwirtschaft. Die Übernutzung der Berghänge führt zur Rodung der Nebelwälder – und gefährdet die Wasserversorgung der ganzen Region. Vivamos unterstützt die Bauern beim Umstieg auf Mischkulturen und Agroforstsysteme. Bodenschutzmassnahmen wie Pflanzenbarrieren oder Mulchstreifen reduzieren die Erosion und fördern die Grundwasserbildung. Zusätzlich werden alternative Einkommensquellen aufgebaut, etwa durch den Verkauf von Kaffee, Bananen und Mais.

Guatemala: Biodiversität und Ernten fördern

In den Bergen rund um den Atitlán-See hat eine lokale Partnerorganisation eine Pflanzenaufzuchtstation eingerichtet. Das Ziel: einheimische Arten schützen, die Biodiversität erhalten und den Ernteertrag langfristig steigern. In den Winter News berichtet eine Masterstudentin, die das Projekt besucht hat, von ihrem eindrücklichen Einblick in die praktische Arbeit vor Ort.

Nicaragua: Wasservorkommen für die Zukunft schützen

In Puerto Morazán, nahe des Flusses Estero Real, gehen die Wasserreserven zur Neige. Vivamos aktualisiert mit den Gemeinden einen Wassereinzugsplan, analysiert Boden- und Niederschlagsdaten und schult die Bauern in nachhaltiger Ressourcennutzung. Das schont das Ökosystem, erhält den Zugang zu Wasser und verbessert die Bodenfruchtbarkeit.

Estero Real

 

 

Inside Vivamos: Interview mit Projektleiter Jo Jung

Seit März 2019 arbeitet Joachim «Jo» Jung als Projektleiter für Guatemala und Honduras bei Vivamos. Im Gespräch berichtet er, wie sich die Situation der Kleinbauern in den letzten 20 Jahren verändert hat – und welche Rolle Agrarökologie heute spielt.

«Der Klimawandel verschärft eine bereits bestehende Problematik. Doch durch agrarökologische Methoden können wir nachhaltige und solidarische Antworten geben: weniger Abhängigkeit, mehr Widerstandskraft, mehr lokale Wertschöpfung.»

Joachim Jung

Das ganze Interview mit Jo Jung – über Dürre, Regen und regionale Lösungen – finden Sie im PDF.